Banana im Erlebniswald Trappenkamp

Banana lebt jetzt unter Schweinen

Wildschwein hatte sich im Oktober einer Rinderherde angeschlossen und ist jetzt im Erlebniswald Trappenkamp zu sehen

Von Helge Buttkereit

Ganz so zahm wie Mathilda ist Banana noch nicht. Während sich Mathilda von Marcel Zickermann am Bauch kraulen lässt, schaut Banana dem Treiben im Wildschweingehege des Erlebniswalds Trappenkamp zunächst aus sicherer Distanz zu. Erst seit Ende Dezember lebt die etwa einjährige Bache – so nennt der Jäger das weibliche Wildschwein – hier. Im Oktober hatte sie sich einer Rinderherde in Mörel westlich von Neumünster angeschlossen und sich voll in die Herde integriert. Weil sie mit Bananen gefüttert wurde, bekam sie ihren Namen. Als aber die Rinder in den Stall sollten und Banana nicht mit durfte, kam der Erlebniswald ins Spiel. Die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten als dessen Träger wollten ohnehin eine neue Rotte aufbauen und frisches Blut in die etwa 40 Tiere großen Bestand an erwachsenen Tieren bringen. Da kam Banana als Ergänzung gerade recht.

Zweimal musste Marcel Zickermann ausrücken. Dann hatte er Banana gefangen und konnte sie mit ins kleine Gehege neben dem großen etwa 40 Hektar umfassenden Wildschweingehege des Erlebniswaldes nehmen. Banana kam zu Mathilda und Heinrich, die sie hervorragend aufnahmen. Mathilda wurde auf einem Bauernhof im Kreis Stormarn mit der Hand aufgezogen, Heinrich stammt aus dem eigenen Bestand des Erlebniswalds. „Es lief zwischen den Dreien von der ersten Sekunde an problemlos. Sie haben sich beschnuppert, geschaut und Freundschaft geschlossen. Das war echt super“, sagt Zickermann. Alle seien etwa ein Alter, das habe geholfen. Zudem hätten die beiden anderen Wildschweine erst zwei Monate zusammen gelebt, auch das habe die Eingliederung von Banana sicher erleichtert, meint Zickermann.

Der 42-Jährige Forstwirt und Diplom-Jagdwirt – als erster Norddeutscher absolvierte er bis 2010 das erste akademische Jagd-Studium in Österreich – kennt sich mit Wildschweinen gut aus. Vor einigen Jahren hat er bei sich zu Hause eine Bache aufgezogen, mit der er sogar an der Leine Radfahren konnte. Später kam sie bei einem Freund unter, bei dem ebenfalls ein Wildschwein lebte. „Wildschweine sind sehr soziale Tiere. Auf Dauer brauchen sie mindestens einen Artgenossen, um glücklich zu sein.“ Im Erlebniswald ist Zickermann für die Wildschweine, aber auch die anderen Wildtiere zuständig. Auch unter den anderen Bachen der großen Herde gebe es welche, die ihm aus der Hand fressen. So wurde aus ihm der „Wildschweinflüsterer“. „Kollegen haben gesagt: Das ist der, der mit den Wildschweinen flüstern kann“, erinnert sich Zickermann.

Unter anderem ist er im Erlebniswald für das jährliche Frischlingsfest zuständig. Es wird in diesem Jahr am Sonntag, 24. April, im Erlebniswald gefeiert, wenn alle jungen Wildschweine auf der Welt sind. „Dann haben wir etwa 150 Tiere im Gehege“, sagt Zickermann. Die Bachen bekommen ihre Frischlinge allein – der Jäger nennt es „frischen“ – und ziehen sie die ersten zwei Wochen im sogenannten Kessel ohne Kontakt zu den anderen Tieren ihrer Rotte auf. Erst dann stellen sich die verschiedenen Bachen der Rotte untereinander die Frischlinge vor und streifen mit ihnen in der Folge gemeinsam durch den Wald. Es komme sogar vor, das Frischlinge bei anderen Muttertieren saugen dürfen, sagt Zickermann. Wenn die Frischlinge im Erlebniswald groß genug sind, werden sie an andere Wildparks oder an Wildhändler abgegeben und landen auf dem Teller.

„Wir wollen den Bestand nicht künstlich hoch halten“, erläutert Zickermann. „Da ist weniger mehr, sonst würde die Zahl irgendwann den Lebensraum sprengen.“ Auch wenn jedes Jahr der Bestand wieder reduziert wird, kämen die Besucher gerade bei den Fütterungen auf ihre Kosten. Es sei ein beeindruckendes Bild, wenn die etwa 40 erwachsenen Tiere und die bis zu 100 Frischlinge hinter dem Traktor herlaufen, sagt Zickermann. Während die drei Tiere im kleinen Gehege per Hand gefüttert werden, sollen sich die Tiere im großen Gehege nicht zu sehr an die Menschen gewöhnen. Denn die Besucher können das Gehege betreten. Kein Zaun trennt sie von den Wildschweinen. „Wenn die Tiere im großen Gehege zu zahm werden und sich an die Menschen gewöhnen, dann könnten sie fordernd werden. Das kann schmerzhaft werden und das wollen wir nicht“, sagt Zickermann. Wild lebende Wildschweine hingegen seien Fluchttiere. Wer sie beispielsweise im Wald trifft, brauche keine Angst zu haben, so lange er sie nicht in die Ecke dränge oder dem Nachwuchs zu dicht käme, sagt Zickermann. Am sichersten sei derjenige, der ruhig und aufmerksam über die normalen Wege gehe. Falls doch einmal Wildschweine auftauchten, müsse man sich groß machen und etwas Lärm erzeugen, dann spätestens nehmen die Tiere nach Zickermanns Erfahrung Reißaus.

Banana, Mathilda und Heinrich hingegen wachsen auf besondere Weise auf, werden weiter per Hand gefüttert und lassen sich streicheln. Während Mathilda auf dem Bauernhof fast wie ein Haustier aufgewachsen ist und kaum Scheu kennt, hat sich Heinrich, der im Erlebniswald geboren ist, schon einiges abgeschaut und lässt sich zuweilen anfassen. Zickermann rechnet damit, dass sich auch Banana demnächst von ihm anfassen lässt. Sie darf gemeinsam mit den anderen beiden Tieren in den kommenden 10 bis 15 Jahren im separierten Gehege alt werden und viele Frischlinge aufziehen – ob es dieses Jahr schon klappt, ist laut Zickermann ungewiss. Auf jeden Fall werden die drei künftig in die regelmäßigen Wildführungen einbezogen, die der Forstwirt anbietet. Die zahmen Tiere bieten da neue Möglichkeiten, auch wenn Streicheln, Kraulen und Toben mit ihnen vor allem Zickermann vorbehalten bleiben wird. Er ist schließlich der Wildschweinflüsterer des Erlebniswalds.